24 Kommunen rüsten sich gemeinsam gegen Starkregen

Ein zukunftsweisendes Großprojekt im Nordschwarzwald

Im Oktober 2023 haben sich 24 Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Calw, Enzkreis und Freudenstadt zu einem einmaligen Verbund zusammengeschlossen, um sich besser gegen Starkregenereignisse und Sturzfluten zu wappnen. Das Land Baden-Württemberg unterstützt das Vorhaben mit rund 1,1 Millionen Euro beziehungsweise 70 % der Gesamtkosten nach den Förderrichtlinien Wasserwirtschaft. Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf etwa 1,5 Millionen Euro.

Initiiert wurde das Projekt von der Stadt Wildberg, die auch die Federführung übernimmt. Koordiniert wird es durch den Regionalverband Nordschwarzwald. Grundlage bildet der Leitfaden zum kommunalen Starkregenrisikomanagement des Landes, der beschreibt, wie Fließwege und Risikobereiche ermittelt werden können. Das Projektgebiet umfasst 1.043 Quadratkilometer, davon etwa 100 Quadratkilometer Siedlungsfläche.

Hintergrund: Warum Starkregen so gefährlich ist

Anders als Hochwasser an großen Flüssen sind Starkregen und die daraus resultierenden Sturzfluten kaum vorhersehbar. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einem Unwetter, wenn mehr als 25 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde oder mehr als 35 Liter in sechs Stunden fallen. Schon leichte Hanglagen können ausreichen, um Wassermassen schnell ins Tal zu leiten, während sich in Vertiefungen oder Unterführungen große Wassermengen ansammeln können. Reichen die Kanalkapazitäten nicht aus oder ist der Boden gesättigt, drohen erhebliche Schäden.

Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit wie die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, Braunsbach 2016 oder Bonndorf 2015 zeigen, wie verheerend die Folgen sein können. Der Klimawandel wird solche Ereignisse voraussichtlich noch häufiger auftreten lassen.

Ziele und Vorgehen

Das gemeinsame Projekt verfolgt das Ziel, kommunale Starkregenrisikomanagementkonzepte zu erarbeiten. Diese bestehen aus drei Bausteinen:

  1. Gefährdungsanalyse – inklusive Überflutungssimulationen und Starkregengefahrenkarten für seltene, außergewöhnliche und extreme Szenarien.
  2. Risikoanalyse – Ermittlung des Schadenspotenzials, Erstellung von Risikosteckbriefen und -karten.
  3. Handlungskonzept – Entwicklung baulicher Schutzmaßnahmen, Alarm- und Einsatzpläne sowie Empfehlungen für präventive Maßnahmen.

Die Datenaufbereitung und Modellierung erfolgen gemeindeübergreifend, die Vorschläge werden jedoch individuell auf die jeweilige Kommune zugeschnitten. So wird eine ganzheitliche Betrachtung der Region mit individuellen Maßnahmen kombiniert.

Organisation und Beteiligung

Die Zusammenarbeit ist in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag geregelt. Ein Lenkungskreis aus fünf kommunalen Vertretern steuert das Projekt, beraten vom Regionalverband Nordschwarzwald. Die Bietergemeinschaft der Fachbüros Fichtner (Stuttgart), Wald + Corbe (Hügelsheim) und Hydrotec (Aachen) wurde nach einer EU-weiten Ausschreibung mit der Konzepterstellung beauftragt.

Ein Projektbegleitkreis stellt den transparenten Informationsfluss sicher. Über Workshops werden sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch kommunale Vertreter in den Prozess eingebunden. Ziel ist, das gesamte Verfahren bis Ende 2026 abzuschließen.

Vorteile der interkommunalen Zusammenarbeit

Zwar konnten nicht alle Gemeinden der Region eingebunden werden – einige verfügen bereits über eigene Konzepte, andere setzen derzeit andere Prioritäten –, doch die beteiligten Kommunen profitieren von einem Konzept aus einer Hand.

Durch den Zusammenschluss ergeben sich Synergieeffekte:

  • Kostensenkung durch gemeinsame Ausschreibungen und Datenaufbereitung
  • Reduzierter Verwaltungsaufwand
  • Zentrale Koordination und einheitliche Qualitätsstandards
  • Gemeinsame Betrachtung über Gemeindegrenzen hinweg, da Wasser keine Verwaltungsgrenzen kennt

Beteiligte Kommunen

  • Bad Rippoldsau-Schapbach
  • Baiersbronn
  • Birkenfeld
  • Calw
  • Dobel
  • Ebhausen
  • Egenhausen
  • Empfingen
  • Grömbach
  • Höfen an der Enz
  • Kämpfelbach
  • Keltern
  • Knittlingen
  • Königsbach-Stein
  • Mühlacker
  • Neuenbürg
  • Oberreichenbach
  • Pfalzgrafenweiler
  • Remchingen
  • Seewald
  • Simmersfeld
  • Simmozheim
  • Wiernsheim
  • Wildberg

Ausblick

Momentan befindet sich das Projekt in der Phase der hydraulischen Gefährdungsanalyse. Der Modellaufbau und die Vorsimulation sind bereits abgeschlossen. Auch die Plausibilisierungsworkshops mit den teilnehmenden Kommunen haben bereits stattgefunden. Bis Ende dieses Jahres ist mit dem Abschluss der hydraulischen Gefährdungsanalyse zu rechnen. Dann werden auch die ersten inhaltlichen Ergebnisse in Form von Überflutungssimulationen und Starkregengefahrenkarten für seltene, außergewöhnliche und extreme Szenarien vorliegen. Anschließend erfolgen dann die Risikoanalyse und die Erarbeitung des Handlungskonzepts.

Starkregenrisiko-Karte der Region Nordschwarzwald
© RVNSW